Generation 65+: Die Mietfalle

In Deutschlands Städten mangelt es an seniorengerechten und bezahlbaren Wohnkonzepten. Daher verharrt die Generation 65+ in alten Mietverhältnissen und wechselt zu spät, oft erst wenn Stürze und Erkrankungen dazu zwingen. „Das ist weder gesellschaftlich noch menschlich erstrebenswert“, meint Carsten Brinkmann.

TERRANUS Wissenswert Generation 65+ Wohnkonzepte

Große Wohnung, kleine Rente: Die Mieten in deutschen Großstädten steigen kontinuierlich, ein Ende ist kaum abzusehen, insbesondere bei Neuvermietungen wird es teuer. Ein Grund dafür, dass viele ältere Menschen einen Umzug meiden und stattdessen in zu großen Wohnungen mit vielen Treppen verweilen. Selbst, wenn sie umziehen möchten, stehen deutlich weniger altersgerechte Wohnungen zu Verfügung als benötigt.

Das bedeutet auch, dass viele ältere Menschen mangels Alternativen von der großen Wohnung oder dem Eigenheim direkt ins Pflegeheim wechseln. Und das obwohl sie, so die jüngste Studie des Pestel-Instituts für Systemforschung in Hannover, in einer altersgerechten Umgebung durchschnittlich noch Jahre selbstständig leben könnten.

Mehr Mut zum Experiment: Neue Quartiere mit Pflegebüros entwickeln

„Das ist weder gesellschaftlich noch menschlich sinnvoll, und es wäre deutlich mehr möglich“, erklärt Carsten Brinkmann, Aufsichtsratsvorsitzender von TERRANUS. „Wir könnten mit einer an der Demografie orientierten Quartiersentwicklung und altersgerechten Assistenzsystemen (AAL) die Lebensqualität und das Wohnen älterer Menschen verbessern. Vorausgesetzt, es gelingt uns als Gesellschaft, eine entsprechende Versorgungs- und Infrastruktur aufzubauen.“ Dazu zählen etwa Pflegebüros inmitten des Quartiers, wo virtuelle aber auch persönliche Informationen zusammenfließen. Vertraute Ansprechpartner, die dank technischer Unterstützung mehr Zeit für menschliche Nähe haben, die alle Dienstleistungen wie etwa Haushaltshilfen und Hausmeister koordinieren und zudem als „Kümmerer“ für ältere Menschen bereitstehen.

Im besten Fall bilden sie ein Zentrum für kulturelle Veranstaltungen und Gemeinschaftserlebnisse, um eine Vereinsamung zu verhindern. Das Internet of Things (IoT) könnte zudem den Alltag sicherer gestalten. Smarte, miteinander vernetzte Geräte ermöglichen es älteren Menschen, ein weitgehend selbstbestimmtes und unabhängiges Leben zu führen.

Graue Wohnungsnot: Infrastruktur für 24 Millionen Menschen in der Generation 65+

Ferner wird es höchste Zeit für neue Wohnformen und -konzepte, denn spätestens bis 2035 prognostiziert das Pestel-Institut eine massive „Graue Wohnungsnot“. Dann werden rund 24 Millionen Über-65-Jährige in Deutschland leben und auf der Suche nach adäquatem Wohnraum sein. „Doch die Entwicklung entsprechender Strukturen, die Nutzung von AAL und künstlicher Intelligenz und selbst der barrierefreie Wohnungsbau läuft schleppend“, sagt Carsten Brinkmann. „Bereits heute klafft eine große Lücke, aber die technischen und infrastrukturellen Möglichkeiten werden nicht einmal mitgedacht. Noch bauen wir Wohnungen für die Vergangenheit.“

Und selbst davon nach wie vor deutlich zu wenig, wie auch Ökonom Matthias Günther vom Pestel-Institut kritisiert. „Die Politik scheint daran bisher nicht wirklich etwas ändern zu wollen“, so Günther. 2018 wurden lediglich circa 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt, und das obwohl der Bedarf für alle Generationen laut Ifo-Institut insgesamt bei rund 400.000 Wohnungen pro Jahr liegt. „Bis die geburtenstarken Jahrgänge ab 2025 in Rente gehen, sollten Stadtplaner, Bundesregierung und der Wohnungsbau gemeinsam mit Technologie-Unternehmen neue Ideen entwickeln und umsetzen“, empfiehlt Carsten Brinkmann, „sonst gehen die heute Endfünfziger einer ungewissen Wohnungssituation entgegen.“

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