Digitales Potenzial sinnvoll nutzen!

Was bleibt vom digitalen Schub nach der Corona-Krise? Werden sich smarte Plattformen, Apps und Co. in der Pflege langfristig bewähren und weiterentwickeln? Sascha Saßen, Leiter Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland, sieht in der Digitalisierung eine große Chance — wenn intelligente Systeme effizient und an der richtigen Stelle eingesetzt werden.

Sascha Saßen, Leiter Qualität und Ethik bei KORIAN Deutschland.

Herr Saßen, welche Erfahrungen haben Sie mit der Digitalisierung in der Corona-Krise gemacht? Was hat sich beschleunigt und bewährt, was ergibt auch langfristig Sinn?

Die Corona-Krise hat den Digitalisierungsprozess erheblich beschleunigt. Da unsere Bewohner als Hochrisikogruppe besonders schutzbedürftig sind, haben wir sehr frühzeitig gehandelt, um das Infektionsrisiko präventiv einzudämmen. Begleitet von einem Mehrstufenplan haben wir Maßnahmen ergriffen und auf unser workflowbasiertes QMH sowie digitale Schulungsplattformen zurückgegriffen. Bereits vor der ersten Lockerung Corona-bedingter Schutzmaßnahmen entwickelte KORIAN eine Besucher-App, die wir zur besseren Koordinierung der Angehörigenbesuche bereits im Juni 2020 einführten.

Welche Vorteile bietet die KORIAN Besucher-App im Einzelnen?

Die Ziele und Vorteile liegen klar auf der Hand: Pflegeheimbesuche werden digital geplant, gesteuert und die Mitarbeitenden der Pflegeeinrichtungen bei der Datenerfassung, Hygienebelehrung, der Besuchsdauer und -menge sowie bei der Kontaktpersonennachverfolgung unterstützt. Gleichzeitig können Angehörige Termine einsehen, online buchen sowie Buchungsbestätigungen und Terminerinnerungen via E-Mail erhalten. Den Behörden bietet die App die nötige Transparenz bei Corona-bedingter Nachverfolgung, immer unter Beachtung des Datenschutzes.

Alle Informationen werden bei der Ermittlung möglicher Besuchstermine berücksichtigt und ermöglichen so eine gezielte Steuerung. Ein Reporting bietet Einblick in geplante Termine, aktuelle Kennzahlen und in die Ermittlung von Besuchshistorien. Da das Angebot von den Angehörigen gut angenommen wurde, haben wir die Anwendung sukzessive auch auf Besuche von internen Audit- und Arbeitssicherheitsteams ausgeweitet, vom Betriebsarzt, der Medizintechnik, von ambulanten Diensten oder Dozenten. Die Rückmeldungen aus den Einrichtungen waren durchweg positiv. Verbesserungsvorschläge wurden und werden rasch umgesetzt und verbessern das System kontinuierlich. So ist es mit den neuesten Weiterentwicklungen der BesucherApp möglich, „Adhoc“- Besuche – ähnlich der LUCA App – zu buchen, interne und externe Schnelltestergebnisse einzutragen und auszudrucken sowie über die BesucherApp einen QR-Code zur Nutzung in der Corona-Warn-App zu erstellen. Personen, die die Einrichtung betreten, können über den QR-Code in der Corona-Warn-App einchecken. Sofern eine Person eine Corona-Infektion in der App meldet, können alle anderen Personen, die zum gleichen Zeitpunkt in der Einrichtung angemeldet waren, schnell und einfach benachrichtigt werden.

Wird der Digitalisierungsschub mit Ende der Pandemie an Fahrt verlieren?

Wie in anderen Bereichen wirkte die Corona-Krise auch in der Pflege als Beschleuniger für die Digitalisierung, zum Beispiel bei der Ausstattung der Einrichtungen mit Tablets, der Möglichkeit von Video-Calls oder der Entwicklung von Besucher-Apps. Gleichzeitig stieg auch die Bereitschaft von Mitarbeitenden, Bewohner*innen und Angehörigen enorm, digitale Kommunikationsinstrumente etwa für Skype-Gespräche tatsächlich zu nutzen.

Wie unsere Studie (Ipsos/ Korian Stiftung für Pflege und würdevolles Altern) belegt, spielen digitale Tools ohnehin eine immer größere Rolle im Alltag von Senioren. Zu den Tools, die Senioren am häufigsten einsetzen, gehören E-Mails und soziale Netzwerke. Heute nutzt über die Hälfte (53 %) der älteren Menschen mindestens einmal pro Woche soziale Netzwerke, vor vier Jahren war es nur rund ein Drittel (35 %). Darüber hinaus setzen Senioren digitale Tools vermehrt für die Verwaltung ihrer Finanzen (49 %) ein, für die Suche nach Informationen und für die aktive Teilnahme an Online-Foren (38%). Zudem besuchen rund fünf Prozent der Senioren mindestens einmal pro Monat Online-Partnerbörsen.

Wir sehen also: Der Digitalisierungs-Zug ist aufgegleist und wird nicht mehr aufzuhalten sein. Überall in der Welt zeichnen sich aktuell ähnliche Entwicklungen ab. Die Herausforderung wird sein, dieses kreative Potenzial sinnvoll zu nutzen und neue Plattformen für Pflege, Pflegewissen sowie für daraus abzuleitende Entscheidungen in der Pflegerealität zu entwickeln.

Wie wird sich diese Entwicklung auf die Pflegebranche auswirken?

Corona war und ist der Grund, Neues auszuprobieren, zu studieren und auch wieder zu verwerfen – der Bundesregierung ging es schließlich nicht anders. Am Ende bleiben sinnstiftende, digitale Anwendungen, welche die Mitarbeitenden nicht mehr missen wollen. Wir nutzen in unseren Einrichtungen deutschlandweit den „Lindera Mobilitätstest“, mit dem das Pflegepersonal frühzeitig Stürze von Senioren erkennen und diesen vorbeugen kann. Durch eine Ganganalyse auf dem Smartphone oder Tablet spiegelt die App das Gangbild des Bewohners wider und gibt Empfehlungen, welche Muskeln gestärkt oder welche Hilfsmittel genutzt werden sollten. Im Laufe des vergangenen Jahres führten wir den Lindera-Mobilitätstest in allen Einrichtungen deutschlandweit ein. Solche Anwendungen werden wir auch künftig weiter ausbauen und die „neuen“ Datenquellen in bestehende Konzepte integrieren. Oder anders ausgedrückt: Wie gelangen die Daten aus einer Anwendung wie Lindera in die Pflegedokumentation?

Wann immer uns Technologie und Digitalisierung die Möglichkeit geben, die Pflege und Lebensqualität unserer Bewohner zu verbessern, die Angehörigen zu entlasten und stärker in den Alltag unserer Bewohner zu integrieren, werden wir sie nutzen. Wir müssen effizienter arbeiten, damit wir unsere Zeit und Ressourcen auf das Wichtigste konzentrieren können, nämlich auf die beste Pflege für den Menschen. Corona war also mehr der Auslöser, jetzt folgt ein eigenständiger Entwicklungszyklus jenseits der nächsten fünf Jahre.

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Anja Sakwe Nakonji

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