ImmobilienStammtisch Rhein/Ruhr zum Thema: Demographischer Wandel – Auswirkungen auf den Pflegemarkt
Deal Magazine - Artikel vom 28.09.2010
Deutsche stehen dem demografischen Wandel gelassen gegenüber (Forsa-Befragung für den Philips Health & Well-being Index vom 27.08.2010), Demenz wird in Deutschland zur tickenden Zeitbombe (Welt online vom 15.09.2010).
In den kommenden zehn Jahren müssen in Deutschland 300.000 zusätzliche Pflegefachkräfte her, die aber fehlen (Springer Medizin vom 17.08.2010), so lauteten Schlagzeilen mit denen Markus Bienentreu, Geschäftsführer der TERRANUS Real Estate GmbH aus Köln, seinen Vortrag zum Thema Zukunft des Pflegemarkts: Demographischer Faktor Chancen und Risiken anlässlich des 12. Treffens der Veranstaltungsreihe ImmobilienStammtisch Rhein/Ruhr am 22. September 2010 im Gaffel am Dom in Köln begann.
Erneut rund 100 interessierte Marktteilnehmer der gewerblichen Immobilienwirtschaft, darunter auch Besucher aus Bremen und Frankfurt, fanden sich zum Treffen der von Olaf Kenneweg, Senior Consultant für den Bereich Real Estate der internationalen Personalberatung LAB & Company in Düsseldorf, und Thorge Albat, Real Estate Investment Manager bei AXA Investment Managers in Köln, seit einem Jahr organisierten Networking-Veranstaltung ein. Der Abend stand dieses Mal ganz im Zeichen des Themas Pflegemarkt, sicherlich ein Nischenbereich in der Immobilienwirtschaft, aber aktueller denn je.
Der Anteil der Menschen ab 60 Jahren stieg in Deutschland im letzten Jahrhundert von 8 % auf knapp 25 %. Gleichzeitig fiel im gleichen Zeitraum die Geburtenrate von 4,6 Kindern auf 1,4 Kinder je Frau. 2050 werden erstmals mehr ältere Menschen auf der Welt leben als jüngere, so führte Bienentreu aus und ergänzt: Die Zahl der Hochbetagten also der Menschen ab 80 Jahre und älter steigt bis zum Jahr 2050 gem. den Ergebnissen der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung von 3 Mio. auf 8 Mio. bzw. um über 150 %. Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sinkt dagegen von 54 Mio. auf 33 Mio.
Wie ist der Markt von Wohn- bzw. Pflegeimmobilien für ältere bzw. pflegebedürftige Menschen?
Bienentreu typisiert hier 5 Arten von Seniorenimmobilien: 1.) Pflegeheime, die stationäre Versorgung Pflegebedürftiger mit entsprechender Einstufung, 2.) integrierte Einrichtungen, also die Kombination einer Pflegeeinrichtung mit dem Angebot des Betreuten Wohnens, 3.) das Betreute Wohnen, barrierefreies Wohnen für Senioren mit zuwählbaren Diensten, 4.) die Residenz bzw. das Wohnstift, sogenannte 4- 5-Sterne-Hotels für Senioren mit inkludiertem Servicepaket und 5. alternative Wohnkonzepte, also kleingliedrige Angebote in Form von Hausgemeinschaften.
Die Marktdaten lassen sich lt. Statistischem Bundesamt 2008 bzw. dem Bundesministerium für Gesundheit 2008 wie folgt zusammen fassen: es existieren ca. 11.000 Alten- und Pflegeheime mit ca. 574.000 Beschäftigten. Der Umsatz mit rund 700.000 stationär Pflegebedürftigen beträgt ca. 9,1 Mrd. Euro. Bienentreu geht allein bei den über 80jährigen von einem Pflegeplatzbedarf bis zum Jahr 2050 von über 1,2 Mio. aus.
Mit diesen und weiteren Statistiken verstand es Bienentreu die Teilnehmer auf die Bedeutung des Pflegemarkts aufmerksam zu machen. Ich wollte mit meinem Vortrag bewusst nicht das Thema Immobilie in den Vordergrund stellen. Die Zuhörer sollten aufgrund der gegenwärtigen Daten und der Prognosen vielmehr sensibilisiert werden, betonte Bienentreu. Ich denke hier ist als Konsequenz klar geworden, welche Bedeutung sich daraus auch für die Immobilienwirtschaft ergibt, erläuterte er weiter. Neben Produktinnovationen wie dem seniorengerechten Handy oder Wii Sports für Senioren reagiert auch der Immobilienmarkt. In inzwischen sieben deutschen Städten (Dortmund, Duisburg, Essen, Frankfurt, Geesthacht, Köln und Nürnberg) hilft der Beratungs- und Dienstleistungsservice Annington Wohnen Plus älteren Menschen, möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnung zu bleiben.
Die TERRANUS zählt seit rd. 15 Jahren zu den Spezialisten in den Bereichen der Seniorenimmobilien. Dabei ist die Gruppe in folgenden Geschäftsfeldern aktiv: Bedarfs-, Konkurrenz- und Standortanalysen, Investmentberatung, Entwicklung marktgerechter Betriebskonzepte, Strategie- und Management-Beratung, Restrukturierung/Sanierung, Interims-Management uns Privatisierung/ M&A.
So kurz vor der EXPO REAL erneut so viele Teilnehmer bei einem Nischenthema zu haben zeigt uns, dass unsere Veranstaltungsreihe in ihrer Form und Zusammensetzung den Nerv der Immobilienwirtschaft getroffen hat, sagt Kenneweg als Veranstalter und führt hinzu: Man beobachtet in den letzten 2 Jahren zunehmend, dass auch vermeintliche Mitbewerber in der Branche untereinander den Austausch suchen. Da freut es uns, wenn wir mit unserer Plattform ergänzend dazu beitragen können.
