EnglishFrancais

Veröffentlichungen


Logo: BörsenzeitungPflegeheime bieten interessante Renditen

Pflegeheime sind für Investoren interessante Anlageobjekte mit einer Rendite zwischen 7,5 und 8 %.

Nischenprodukt

,,Pflegeheime sind ein Nischen­produkt, stellt Carsten Brinkmann, Aufsichtsrat der Beratungsge­sellschaft Terranus, im Gespräch mit der Börsen-Zeitung klar. Sie machen nur 1,5 bis 2 % des deut­schen Immobilienmarktes aus. Um Pflegeheime über 15 bis 20 Jahre er­folgreich betreiben zu können, sei ein umfangreiches Know-how erfor­derlich. Das haben nur wenige Be­treiber. Bisher seien nur wenige von Ratingagenturen beurteilt worden. Das Ergebnis war nicht besser als BB. Bei der Auswahl der Zielob­jekte kommen Bestandsimmobilien aufgrund ihres Alters und der Bau­substanz nicht infrage. Bleiben Neu­bauten. ,,Bei Kreditanträgen sehen die Banken heute genau hin, beob­achtet Brinkmann. Sie verlangen mehr Eigenkapital und höhere Mar­gen, die das niedrige Zinsniveau überkompensieren. Im Übrigen sei­en nur wenige Finanzinstitute bereit oder in der Lage solche Kredite zu vergeben.

Beim Neubau von Pflegeheimen seien zwei Vorgehensweisen üblich. Entweder präsentiert der Projekt­entwickler dem potenziellen Inve­stor ein schlüsselfertiges Objekt samt Betreiber oder das Objekt ist noch im Entwicklungsstadium und der Investor kann zwischen mehre­ren Betreibern auswählen.

Als Investoren treten aktuell in er­ster Linie inländische Anleger wie Pensionskassen, Versorgungswerke und eine nicht unbedeutende An­zahl vermögender Privatkunden auf. ,,Ausländische Anleger kann man an einer Hand abzählen. Sie hätten zu Boomzeiten zu teuer ein­gekauft und versuchten seit einiger Zeit, ihre Portfolien zu verkaufen. Die haben zum 15-Fachen und mehr der Jahresmiete gekauft und bekommen jetzt kaum mehr als das 12,5-bis 13-Fache. Bei einer Eigen­kapitalquote von 12 bis 15 % sei das Eigenkapital dann aber weg. ,,Daher sind die meisten dieser Versuche ge­scheitert, sagte Brinkmann.

Insgesamt sind nach seiner Beob­achtung heute eher weniger Kaufin­teressenten am Investmentmarkt für Pflegeimmobilien unterwegs als noch vor zwei bis drei Jahren.

Neuer Fonds am Markt

Auch der dänische Investor Euro Ejendomme beschäftigt sich schon mehr als ein Jahr mit diesem Thema. Im September 2009 startete er den Luxemburger Sicav-Fis ,,Health Care Fonds, seit Anfang 2010 sind wir in ernsthaften Gesprächen mit Inve­storen in Skandinavien, Benelux, Österreich, Schweiz und Deutsch­land, sagte Marc Thiel, der Chef der deutschen Euro Ejendomme. Zielpublikum sind institutionelle In­vestoren wie Versicherer, Pensions­kassen und -fonds, Versorgungswer­ke, Vermögensverwalter und Ban­ken sowie Multi Family Offices, die mindestens 5 Mill. Euro anlegen. Insgesamt sollen bis zu 300 Mill. Eu­ro bei einem Eigenkapital von 100 Mill. Euro investiert werden. Als Clo­sings sind der 30. Juni und der 31. Dezember 2010 vorgesehen. Der Blind Pool will das Geld zum Kauf von Pflegeheimen und begrenzt Re­ha-Kliniken im Zentrum deutscher Städte ab 75 000 Einwohner ver­wenden. Dabei konzentriere man sich ausschließlich auf große und bonitätsstarke, vornehmlich private Betreiber, heißt es bei Euro Ejen­domme. Die meisten Pflegeheime werden hierzulande von nicht ge­winnorientierten Organisationen wie Diakonie und Caritas unterhal­ten.

Die Nettoanfangsrendite der Ob­jekte soll zwischen 7 und 8 % liegen. Als Zielrendite werden etwa 10 % angegeben, die jährliche Ausschüt­tung soll bei 6 % liegen.

 


Artikel vom 29.04.2010

« zurück