Altenheim
Rückkehr zur Planwirtschaft in der Pflege?
Viele Experten betrachten die Pflegeversicherung mittlerweile als Auslaufmodell. Mit der Einführung von Kapitalstockelementen versuche die Politik nur Zeit zu gewinnen, so die vorherrschende Meinung. Sie fordern die Umstellung auf ein steuerfinanziertes System mit rigoroser Bedarfsplanung für die pflegerische Versorgung. Selbst liberale Vertreter bemängeln unverantwortliche lokale Überkapazitäten.
Verständlicherweise werden in Zeiten der Wirtschaftskrise die Steuerungsmechanismen einer liberalisierten Marktwirtschaft hinterfragt. Der hier proagierte Königsweg ist aber nichts anderes als die Rückkehr zur staatlichen Planwirtschaft. 20 Jahre nach der Wende reibt man sich verwundert die Augen ...
Warum sollte der Kunde nicht zwischen verschiedenen Angeboten und Anbietern wählen dürfen? Wie kann der Staat den individuellen Präferenzen eines Pflegebedürftigen gerecht werden? Warum sind Überkapazitäten in lokalen märkten eigentlich generell unverantwortlich?
Vieles spricht dafür, dass die Refinanzierung von Pflegeleistungen einer Reform bedarf. Und dabei ist ein Systemwechsel von der Umlagefinanzierung zum Kapitalstockmodell dringend angeraten. Dies darf aber nicht zur Folge haben, dass die wenigen marktwirtschaftlichen Elemente - in einem vielleicht sogar überregulierten Markt - abgeschafft werden. Nicht der Wettbewerb ist zu verdammen - es sind vielmehr die Kartelle zum Konkurrenzschutz. Der mündige Kunde sollte gemäß seinem persönlichen Budget aus verschiedenen Angeboten Leistungen abfordern können und nicht zwangsgesteuert werden.
Ernüchtert stellt der Betrachter fest: In der aktuellen Diskussion wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, obwohl frisches Wasser die bessere Lösung gewesen wäre ...