Pflege weiterhin Wachstumsmarkt
TERRANUS - Januar 2010Pflegereport ´09 untersucht die Auswirkungen der Pflegereform von 2008
Welche Auswirkungen haben die gesundheitspolitischen Entscheidungen der Pflegereform auf das Marktgeschehen? Wie beeinflussen demografische Entwicklungen die Kosten- und Ertragsentwicklung im Pflegemarkt? Der Pflegereport ´09 untersucht Trends und Entwicklungen.
Prognosen gehen davon aus, dass die Lebenserwartung von 60-jährigen Männern und Frauen bis zum Jahr 2050 um etwa 5 Jahre verlängern wird. Entsprechend steigt die Zahl der älteren Menschen absolut und in Verbindung mit einer abnehmenden Zahl von Geburten auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung.
Demnach steigt die Zahl der über 60-Jährigen bis zum Jahr 2050 von 20,5 Millionen (Ende 2005) auf 28,8 Millionen Menschen; ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von 24,9 auf 38,9 Prozent. Derzeit sind nur 0,6 Prozent der Bevölkerung unter 60 Jahren pflegebedürftig, von den 60- bis 80-Jährigen 3,9 Prozent, aber von den über 80-Jährigen schon 28,3 Prozent. Deshalb wird der starke Anstieg der Zahl der älteren Menschen auch zu einer deutlichen Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen führen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Pflegereport ´09 der Terranus-Gruppe in Köln.
Die „Rürup-Kommission“ geht auf Basis ähnlicher Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen der sozialen Pflegeversicherung von derzeit rund 1,97 Millionen bis zum Jahr 2040 auf rund 3,4 Millionen ansteigen wird. Pflege bleibt damit ein sicherer Wachstumsmarkt. So stieg zum Beispiel die Zahl der Bewohner mit einer Pflegestufe in stationären Einrichtungen von rund 604.000 im Dezember 2001 auf 670.000 im Dezember 2005 und auf wahrscheinlich deutlich über 700.000 im Dezember 2007. Das entspricht einem Wachstum von rund 16 Prozent in sechs Jahren.
Das klassische Altenheim ist im Durchschnitt mehr als 30 Jahre alt. Ein Umbau nach den zeitgemäßen Anforderungsprofilen ist meist nicht mehr möglich oder zumindest kostspieliger als ein Neubau. Zusätzlich zum demographisch bedingten Wachstum besteht also auch strukturell ein erheblicher Ersatz-Investitionsbedarf in moderne, zeitgemäß konzipierte Pflegeheime. Wie schon im Pflegereport 2006 verdeutlicht, ist der Markt für stationäre Pflege noch immer sehr kleingliedrig organisiert. Ca. 50 Prozent der 10.000 Pflegeheime in Deutschland bieten weniger als 61 Plätze an. Fast ein Viertel der Einrichtungen hat sogar weniger als 31 Plätze. Rund 165.000 Pflegeplätze werden also in kleinen und Kleinst-Pflegeheimen angeboten.
Es besteht weiterhin ein Bedarf an Struktur verbessernden Investitionen in vernünftig aufgestellte Betriebsstätten, die mindestens 80 Plätze umfassen sollten. Umgekehrt gilt jedoch auch eine Grenze von 200 Plätzen nicht zu übersteigen.
Aus heutiger Sicht ist bei konservativer Betrachtung ein Anstieg der stationären Pflegeplätze auf ca. 830.000 bis zum Jahr 2020 weiterhin realistisch. Das entspräche einem Wachstumsbedarf von rund 12.500 Plätzen im Jahr. Pro Pflegeplatz ist dabei ein Investitionsbedarf von ca. 85.000 Euro zu unterstellen und damit ein jährliches Finanzierungs- bzw. Investitionsvolumen von ca. 1,3 Milliarden Euro. Hinzu kommen noch Maßnahmen für Ersatzbauten in ähnlicher Größenordnung.
Die Palette der Dienstleistungen wird vielfältiger und bunter. Deutlich erkennbar ist ein Trend zu Diversifikation und Spezialisierung am Markt: ambulante Lösungen, privat organisierte Netzwerke, Senioren-Wohngemeinschaften, teilstationäre Pflege, Spezialpflege-Einrichtungen (z.B. mit besonderen Dementen-Konzepten) etc.
Aber auch moderne vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit professionellen, humanen und wirtschaftlichen Konzepten haben unstrittig eine Zukunft. Denn: Trotz vielfacher Angebote und der Tatsache, dass zwei Drittel der Altenpflege im häuslichen und ambulanten Sektor realisiert werden, ist für viele im sogenannten „Vierten Lebensalter“ aufgrund medizinischer Indikationen eine stationäre Betreuung dringend erforderlich. 3,5 Millionen Bundesbürger sind nach heutigen Schätzungen über 80 Jahre alt. Das Durchschnittsalter für den Eintritt in eine stationäre Pflege beträgt rund 82 Jahre. Bis 2015 sollen sogar 4,7 Millionen Bundesbürger dieses Alter erreicht haben. Produkten und Dienstleistungen für altersbedingte Erkrankungen dürfte dies einen weiteren Schub geben.
Kosten für Heimunterbringung in West- und Ostdeutschland sind 2008 nach wie vor unterschiedlich. Dies zeigt sich vorrangig im Nordrhein-Westfalen, Bremen, Hamburg, dem Rhein-Main-Gebiet und Teilen Baden-Württembergs.
Dieses Dokument downloaden
